Author: Aspen

  • Das Streben nach mehr

    Vor zwei Tagen saß ich abends draußen im Garten und betrachtete eine weiße Alba Rose die noch nicht all zu lange hier ist. Sie ist ein Ableger eines Rosenstockes meiner Ururgroßmutter die ich zwar nie persönlich kennen gelernt habe, aber die eine innige Verbindung mit Pflanzen gehabt haben soll und sowohl mir als auch meiner Mutter sympathisch im Kopf geblieben ist.

    Beim Anblick der Blüte ging mir die Frage durch den Kopf, ob ich diese Blüte wohl auf einem Familienwappen haben wollen würde, wenn ich denn eines hätte. Und an dieser Stelle ist mein Gedanke an einer Gehirnwand abgeprallt und konnte sich selbst beobachten. Wochen zuvor hätte ich geistig am liebsten eine Butterblume als Zeichen auf einem persönlichen Wappen gesehen. Aus diesem Gedankengang entspann sich in meinem Kopf sofort eine Szene, in der das Kind einer Adelsfamilie mit Wappen gerne etwas anderes auf dem Wappen hätte und es schließlich später hinzufügt.

    In den Zeiten als Wappen gesellschaftlich ein Ding waren, wurden ja auch des öfteren Wappen kombiniert, wenn zwei Menschen die bereits mit Wappen geboren worden waren Heirateten. Das wurde Teilweise sehr auf die Spitze getrieben, so ist das vermutlich komplexeste Wappen ist unter dem Stichwort Grenville Diptych zu finden und zu bewundern. Es enthält insgesamt 719 sogenannte Quarterings bei denen ein Wappen mit anderen zu einem neuen zusammengeführt wird. Siehe Auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Featured_picture_candidates/Grenville_Diptych Ein Wappen dieser Art hat eine seiner ursprünglichen Funktionen damit sicherlich schon eingebüßt. Auf dem Schlachtfeld mit einem so bunten Gemälde herum zu laufen wäre sicher eher verwirrend und würde einen zu “Team Bunt” zuordnen aber davon abgesehen würde alleine die Herstellung der Bemalung eines so komplexen Bildes nicht mehr in einem zeitlich akzeptablen Rahmen möglich sein.

    Damit ist man schon sehr weit weg von einem Anarchie A oder vielen Modernen Wappen-Nachfolgern die eher mal schnell an eine Wand geschmiert werden können.

    Über diese ganzen Heraldikgedanken wurde mir klar, wie sehr der Wunsch mehr zu sein und sich mit etwas anderem zu vereinigen sich in alle Bereiche des menschlichen Lebens fortspinnt.

    Das kann das erlernen einer neuen Fähigkeit genauso wie das streben nach Bestätigung, Reproduktion oder Essen sein. Sicher ist der Gedanke der Verschmelzung immer nur ein Teilaspekt des großen Ganzen, aber es scheint ein Aspekt zu sein der in sehr vielen Verhaltensweisen enthalten ist. Um so interessierter fand ich es darauf zu stoßen, dass der Begriff Yoga aus dem Sanskrit heraus unter anderem mit vereinigung bzw. im Englischen union übersetzt wird. Zwar kenne ich mich zu wenig mit Sanskrit oder Hinduismus aus um sagen zu können worauf sich diese Vereinigung bezieht, könnte mir aber vorstellen, dass auf physischer Ebene die Vereinigung von Atem und Körper gemeint sind und auf emotionaler Ebene die Verschmelzung mit dem gesamten Universum angesprochen ist.

    Am Ende komme ich damit in meinem Kopf an der sogenannten Illusion der Trennung an, und dem Gedanken, dass wir alle vielleicht gar nicht getrennt sind, ich das selbe bin wie der Grund auf dem ich gehe. Jeder Leser dieses Artikels ein Teil von mir ist und ich ein Teil von allen Tieren und Pflanzen bin. Ein Gefühl der Trennung scheint uns aber doch fast allen inne zu wohnen sodass wir immer bestrebt sind mehr Dinge zu uns hinzuzufügen und dennoch individuell zu bleiben.

  • Warum Freiheit nie vollkommen ist, oder die Wahl der Qual

    Diese Woche habe ich eine höchst interessante Erkenntnis zum Wert Freiheit gewonnen.

    Man kann immer nur von etwas frei sein, aber nie von allem.

    Da Freiheit aber so oft als allgemeines Wort verwendet wird, entsteht ein seltsamer Kulturkampf, bei dem die eine Seite die jeweils andere Definition von Freiheit nicht versteht. Ich habe neulich von einem Interview von einer Chinesin gehört die in Mazedonien wohnt und sich über das wachsende Aufkommen von öffentlicher Überwachung freute, damit das Land sicherer würde und sich langsam den chinesischen Standard von Sicherheit annähert. Als westlich geprägter Mensch dessen Freiheitsdefinition dazu nicht passt, vielen mir dabei ein paar Fragezeichen so hart aus der Nase, dass ich schwören könnte, es sind ein paar Nasenhaare mit daran hängen geblieben.

    Zudem habe ich noch einen Bericht eines Mannes über Frauen aus der Ex Sowjetunion gehört, die ins Ausland geheiratet hatten und teilweise wieder zurück geflohen sind, weil die “Freiheit” im Ausland ihnen zu anstrengend war und sie dahingehend “unfrei” machte. Sie wollten übertrieben gesagt laut dem Bericht lieber wieder in ihre gewohnte kleine Welt, in der sie Frei davon waren Entscheidungen treffen zu müssen. Und da hat es bei mir Klick gemacht.

    Eine westliche Definition von Freiheit könnte sein, dass dir niemand etwas vorgibt. Eine Chinesische/Russische könnte vielleicht sein, dass du dir keine Gedanken machen musst was passiert, du musst nur dem Plan des Staates folgen und ja sagen. Das befreit von Schuld an dem was passiert und nimmt einem die Entscheidungen ab.

    Beides im Grunde genommen Formen von Freiheit die sich aber sogar gegenseitig ausschließen. Das finde ich super interessant, denn es könnte bedeuten, dass absolute Freiheit ein Paradoxon ist und niemals existieren kann. Zumindest nicht auf logischer Ebene.

    Im Großen und Ganzen finde ich diesen Gedanken beruhigend, weil ich zu verstehen beginne in welcher Lücke die Menschen anderer Kulturen dahingehend im Kopf leben und wie sie sich darin entfalten können.

  • Gekämmte Spagetti im Kopf und moderne Opferstätten

    In den letzten Tagen habe ich einen Vortrag über die Bedeutung des Betens in der modernen Welt gehört. Als Kind habe ich mich auch oft gefragt, warum man den Vorgang in den Kirchen als Gottesdienst bezeichnet, denn was für einen Dienst tut man diesem Gott denn da? Was hat er davon, dass Menschen Zeit mit ihm verbringen? Zumindest da der Gott der abrahamistischen Religionen ja ohnehin laut Ansicht der biblisch Gläubigen allmächtig ist.

    Am Ende denke ich, dass das klassische Gebet wie es hierzulande Jahrhunderte lang ausgeübt wurde, nicht viel anders ist, als eine Meditation oder eine Affirmation. Man opfert Zeit und Energie die man in bestimmte Gedanken steckt, um damit das Hirn zu ordnen, sein Weltbild zu schützen, zu festigen und sicher auch, um Gedanken zu vertreiben die man selbst oder die vorherrschende Gesellschaft für unpassend hält. Fast schon eine Art Reinigungsritual.

    Was für Gedanken man da heranzüchtet und kultiviert sollte man sicher gut durchleuchten und dahingehend sind wir sicherlich heute weiter als noch vor wenigen Jahren. Allerdings glaube ich, dass zwischen der Zeit wo Religion wirklich von der breiten Masse gelebt wurde und der Jetzt-Zeit wo wieder mehr und mehr Menschen ihren Schädel von innen entdecken möchten eine Zeit lag, in der Religion nur etwas war, das man eben so machte und was dann immer halbherziger wurde, sodass die meditativen Effekte von Dingen wie Gebet bereits nicht mehr bei der Mehrheit der Menschen eintrat und die Menschen noch nicht auf der Suche nach anderen Wegen waren ihre Gedanken zu ordnen.

    Als Ordnungswerk kann ich theoretisch sogar die Rolle einer Kirche akzeptieren. Allerdings möchte ich diese als solches Ordnungswerk eines aristokratischen Urgedankens erklärt wissen und nicht als Ding, das eben so ist, weil es so ist. Wobei ich Kirche an dieser Stelle frei mit jedem anderen zielvorgebenden Kompass ersetzen könnte. Das Ganze erinnert mich an eine ursprünglich mal gut gemeinte Schatzkarte, die erklärt, wie man von einem ungeordneten Mensch hier, zu einem “guten” Mensch dort wird, indem man sich an den Vorgaben der Karte orientiert. Leider sind solche Karten in der Geschichte der Menschheit immer zum Selbstzweck verkommen und viel zu selten hinterfragt worden. Außerdem haben es findige Individuen der Geschichte geschafft, die Karten immer mal zu ihren Gunsten zu erweitern, sodass am Ende aus einfachen Lebensweisheiten ein komplexes Interpretationsmonster wie die Bibel wird, oder aus einer Anleitung zum Bedienen eines Telefons die AGBs von Apple und eine eigene Rechtsabteilung in der solche Dinge erklärt werden, wie dass man seinen Hund zum Trocknen nicht in die Mikrowelle packen sollte – und am Ende weiß dann niemand mehr worum es überhaupt ging.

    Worauf ich jedoch eigentlich hinaus wollte ist, dass ich glaube wir stehen am Ende einer entgeisterten Zeit, in der die Menschen zunehmend merken, was die Kultivierung des Geistes den alten Generationen gebracht hat und dieselben Effekte auf neuen, vielleicht sogar besseren Wegen wieder neu zu entdecken suchen. Aus irgendeinem Grund hatte ich, als mir der Gedanke dazu kam diesen Text zu verfassen, das Bild eines Menschen im Kopf, der sein Gehirn mit einem Kamm morgens und abends in die Form dessen streicht, was er erreichen will. Und aus irgendeinem Grund sah das Gehirn aus wie Spagetti mit roter Soße, die er mit dem Kamm striegelte 🙂


    Nun will ich aber noch ein paar Worte zum Thema opfern hinterlassen, denn ich glaube genau genommen kann man fast jede Aktion als Opfer an irgendetwas betrachten, wenn man es denn so sehen will. Eine Tüte Chips ist so ein Opfer an den Hersteller und den Gott der Couchpotato, so wie 10 Minuten Yoga ein Opfer an den eigenen Körper und Geist sein sollten. Zeitlich und kulturell sind wir hier inzwischen recht weit weg davon Tiere oder Menschen zu opfern, aber was wir ständig opfern ist letztlich unsere Lebenszeit, und unser Geld, das wir nur allzu oft gegen Lebenszeit eingetauscht haben, sowie schlussendlich noch Schmerz/unangenehme Gefühle. Auch das Durchhalten von Sport oder einer Dehnung kann eine Art Opfer sein. Zwischenmenschlich wird das Thema noch einmal viel bunter und kreativer. So können wir uns gegenseitig bei weitem nicht nur Zeit, sondern alle Arten von Emotionen opfern und eigentlich auch alles was die 5 Liebessprachen hergeben.

    Und doch klänge es hierzulande abwertend, oder je nachdem wer es sagt auf unterschiedliche Arten falsch, wenn jemand etwas wie “Ich opfere meiner Frau Lob und ein selbst gemaltes Bild” oder “Ich opfere meinem Mann Zeit zu zweit und meinen Rat” sagen würde. Das liegt daran, dass wir mit opfern immer etwas verbinden, das wir selbst verlieren, wenn wir es geben, sodass opfern mit Verlust und Schmerz ohne Gewinn gleichgesetzt wird. Doch ich wage mich, das als generelles Muster zu hinterfragen.

    Denn es ist doch so: Wenn wir nur tun würden, was uns im Moment glücklich macht, führt das im Allgemeinen zu einem weit weniger glücklichen Leben, als Ziele und den Willen diese über Opfer zu erreichen…

  • Mögliche natürliche Auslese von Ansichten

    Heute hatte ich mal wieder einen philosophischen Einfall, den ich sehr interessant fand. Aber dafür muss ich ein klein wenig ausholen und erstmal das Magiesystem der Eragon Buchreihe erklären 😀 In dieser Welt gibt es eine “alte/magische” Sprache in der jedes Wort deshalb magisch ist, weil es das Ding, das es meint, wahrhaftig und allumfassend beschreibt. “Feuer” wäre also nicht nur das Wort für Feuer, sondern die Essenz von Feuer selbst und daher hat das Wort Macht über das Ding. Oder man könnte wohl auch sagen, das Wort ist näher an der echten Natur der Sache. Darauf will ich nun im Weiteren hinaus, denn ich bin zu der Vermutung gekommen, dass es eine natürliche Auslese von Meinungen gibt, die ganz allein von sich stattfindet. Als Beispiel will ich einmal die sehr vereinfachten Grundannahmen von Kommunismus und Kapitalismus verwenden.

    Die Grundannahme des Kommunismus ist, dass es leichter ist die Bedürfnisse aller gemeinsam zu befriedigen und, dass alle bis auf die Bourgeoisie, die Böse ist, gut sind und lediglich von derselben unterdrückt werden. Durch diese Unterdrückung entsteht dann ein Gemeinschaftsgefühl, sodass sich eine “Klasse” bildet. Klassischerweise die Arbeiterklasse, die von den reichen Eliten ausgenommen wird, diese aber schließlich besiegt und nach einer kurzen Übergangsphase in Form der Diktatur des Proletariats in den allgemeingültigen Kommunismus übergeht, in dem es keine Bösen Menschen mehr gibt. Es wurde sogar zeitweise fantasiert, man könnte die Zeitrechnung abschaffen, weil es keine Änderungen mehr in der Gesellschaft nach der Einführung des Kommunismus geben würde. Grundannahme ist aber: Menschen sind eigentlich erstmal von selbst gut.

    Dem Gegenüber steht der Kapitalismus, der im Grunde auf dem “Law of the harvest” Gedanken beruht. Was bedeutet, was du mit deinem Schweiße geschaffen oder erreicht hast, soll auch dir allein gehören, du bist der Besitzer. Hier ist der Gedanke zur Verbesserung der Menschen ein wenig komplexer, denn Benjamin Franklin, als ein wie ich finde zu dem Thema prägender Mann hatte angeblich den Gedanken, dass durch das “Law of the Harvest” gute Arbeit und Fleiß belohnt würden, sodass alle Menschen motiviert sein würden etwas zu leisten, um dann ihren Wohlstand zu genießen und/oder zu mehren. Im Kapitalismus, so Franklins Hoffnung, sei der beste Weg zu Ansehen und Wohlstand zu kommen, hart und ehrlich zu arbeiten.

    Sicher haben beide Systeme ihre Fehlannahmen, der Kommunismus ist fast immer zu einer Diktatur mutiert und der Kapitalismus musste hinnehmen, dass man nicht mit ehrlicher Arbeit sondern mit Betrug und Spekulation am schnellsten reich wird. Trotzdem ist für mich genau hier einer der entscheidensten Unterschiede zwischen diesen beiden Systemen. Eines geht davon aus, dass der Mensch in seiner Natur gut ist und nur gestört/unterdrückt wird, während das andere explizit davon ausgeht, das der Mensch vielleicht gar nicht so gut ist und ihn versucht mit einer einfachen Belohnungstaktik gut zu machen.

    Mein resultierender Gedanke ist nun, dass der Grund weshalb der Kommunismus weitgehend in seiner ursprünglichen Form ausgestorben ist darin liegt, dass seine Grundannahme über die Natur des Menschen weniger dicht an der Realität war, als die Grundannahme des Kapitalismus über die Natur des Menschen. Der “Kommunismus” in China erlaubt es längst einzelnen sich zu bereichern und geht damit auf die Gedanken des Kapitalismus ein.

    Vielleicht fallen mir ja noch ein paar mehr Beispiele dazu ein. Ich hatte noch an den immer wieder beschworenen Mythos des Humanismus als Form von friedlichem, toll und freundlich sein gedacht. – Das Wort kommt mir auch nur vor wie eine Farce auf das, was weltweit passiert und mein Gefühl sagt mir, das Humanismus im Sinne von Menschlich sein bei weitem nicht nur das Gute am Menschen inkludieren sollte.

    Es ist sicher viel Gutes im Menschen, aber nur weil wir nicht bereit sind das Dunkel zu sehen wird das Licht nicht wachsen. Im Gegenteil, ohne den Kontrast wird es Grau und matschig werden. Das schreibt schon das Tao Te Ching, und dazu fällt mir dann sofort ein Zitat der Gruppe Rome aus dem Lied “Kali Yuga über alles” ein: “Its not by shunning darkness that you´ll know light..”

  • Das Wechselspiel von Mut und Demut

    Eine gutmütige Ballade zwischen Schädelrückwand und Nasenbein

    Aus einer starken Emotion heraus habe ich vor wenigen Tagen ein tiefes Glück empfunden. Das hat es mir erlaubt dem Leben gegenüber eine dankbare Demut zu fühlen mit der ich mir eigentlich immer sehr schwer getan habe, denn ich hatte oft nicht das Urvertrauen dazu.

    Aus dieser Begegnung mit einer positiven Demut hat mein Gehirn folgendes herausgesogen:

    Zunächst kam mir wieder einmal die Gebetsszene aus dem Film Gladiator in den Kopf. Sie trifft mein Verständnis von perfekt angewandter Demut auf den Punkt, auch wenn sie wirklich nicht lange dauert. Eine Schlacht wurde gewonnen, Maximus wird von seinen Männern geehrt und er steht im höchsten Ansehen Caesars. Gewissermaßen ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere und hätte verständliche Gründe dafür entweder ordentlich einen drauf zu machen oder übermütig zu werden. Doch gerade in dieser hohen Zeit wendet er sich in Demut den höheren Ebenen zu und erkennt an, dass er nicht der Herrscher dieser Realität ist und betet für seine Famile. Er gibt sich hin und dankt seinen Göttern oder allgemeiner gesprochen dem, was auch immer er in dem Moment für das Höhere empfindet.

    Diese Szene empfinde ich als ein wundervolles Beispiel von mentaler Stärke und geistiger Schönheit! Sie zeigt uns einen Menschen, der scheinbar nicht zu verführen ist und im wahrhaftigsten Sinne ehrenswert handelt. Maximus bleibt nicht nur auf dem Boden der Tatsachen, sondern hält sich förmlich daran fest. Beispielhaft wird daran klar wie er sich davor schützt übermütig zu werden, bzw. wie er seine Werte, für die er so geachtet wird, schützt.

    Eine Eigenschaft im Gleichgewicht

    Mut ist tatsächlich in sehr vielen Wörtern enthalten und Demut und Übermut sind nur zwei aus einer langen Liste von Ausdrücken, die teils positiv und teils negativ belegt sind. Hieran möchte ich mich nun aufhängen und vorschlagen, dass Mut ein Gleichgewicht ist. Zumindest aber, scheint es einem Gleichgewicht an Mut zu bedürfen, um unseren Kopf und unsere mentale Gesundheit aufblühen zu lassen.

    In seiner einfachsten Form steckt im Wort Mut selbst für mich immer eine Überwindung. Es gibt da etwas, dass sollte getan werden oder etwas das man gerne tun möchte, aber man hat Angst vor den Konsequenzen des Tuns oder davor, dass etwas am Tun schief läuft. Mut kann man in dieser Definition nur haben, wenn man sich wagt etwas zu tun trotz der Bedenken die man hat. Im “sich wagen” steckt dann übrigens der Wagemut.

    Unsere beiden Freunde von weiter oben, Demut und Übermut, scheinen indes gewissermaßen Gegensätze zu sein. Das eine erdet uns in seiner positiven Eigenschaft kann aber auch zu einem Verlust an Selbstvertrauen führen. Das andere strotzt vor Selbstbewusstsein, kann uns aber in Gefahr bringen und ist oft zwischenmenschlich störend, da es uns einen roten Teppich in die Überheblichkeit ausrollt.

    Es scheint mir, dass wir gut beraten sind von Zeit zu Zeit darauf zu achten, was für Arten von Mut uns leicht, und was für Arten von Mut uns schwer fallen. Für gewöhnlich lohnt es sich dann zu trainieren was schwer ist und Langmut erfordert 😉 Denn obwohl jeder Handlung ein winziger Funken Mut innewohnt scheint mir die reine Eigenschaft Mut alle Subeigenschaften mit Energie zu versorgen. Und wer seinen “Mutmuskel” genug trainiert dem fällt es leicht sich für die positiven Subvarianten von Mut zu entscheiden die vielleicht im Moment der Ausführung mehr “Mutenergie” benötigen als die Negativen, doch im Gegenzug zu Gesundheit, Glück und Achtung führen, anstatt einen sozial und emotional in ein Spinnennetz zu verstricken.


    Was daraus für mich folgt

    Für mich selbst nehme ich aus diesen Gedanken die beiden folgenden Vorsätze mit: Gegenüber allen die mir nahe sind möchte ich mir immer den Mut erhalten zu handeln wenn mir ein Handeln richtig erscheint, denn Mut ist ein integerer Teil einer jeden gesunden und glücklichen zwischenmenschlichen Beziehung. Gleichzeitig soll es mein Bestreben sein mir genauso auch die Demut zu bewahren, die es mir erlaubt, dem Leben und den Menschen von Herzen offen und auf Augenhöhe zu begegnen, denn ich möchte nicht verlernen mit Freude und Hingabe für meine Überzeugungen und meine lieben Menschen sorgen und dienen zu können.

    Also habt Mut zum mutig sein, meine Freunde!
    Er nutzt sich ab wenn man ihn nicht nutzt.

    PS

    Anbei noch eine kleine mutige Sammlung die ich in der deutschen Sprache gefunden habe. Es kann durchaus sein, dass es noch weitere Arten gibt, aber das sind alle die ich bisher entdecken konnte. Wobei ich Eigenschaften die man nicht selbst sein kann ausgelassen habe wie z.B. “Armut”

    Mut(ationen)

    • Langmut
    • Hochmut
    • Demut
    • Unmut
    • Schwermut
    • Übermut
    • Anmut
    • Freimut
    • Frohmut
    • Großmut
    • Edelmut
  • Leben mit der Realität wie sie ist

    Wenige Menschen kenne ich, die nicht an der Welt leiden, oder zumindest gerne etwas Grundlegendes daran ändern würden. Viele fühlen sich, "in der falschen Zeit geboren" oder "an dieser Stelle der Welt fehl am Platz". Sie quält es zu sehen wie die Menschheit mit der Erde umgeht, oder sie fühlen sich von vorne bis hinten manipuliert. Und je nachdem wo einen die Realität drückt und wie man selbst charakterlich ist, verfällt man in Hoffnungslosigkeit, Wut, Aktionismus oder einfach nur generelle Unzufriedenheit.

    Da gibt es Menschen, deren Herz sich nach der höfischen Art der Romantik zu sehnen scheint, Menschen, die viel lieber in der Zukunft wären, wo wir hoffentlich durchs ganze Universum reisen können, und solche die viel lieber in der Jungsteinzeit geblieben wären. Andere sehen das Böse der Welt in allem, was nicht wissenschaftlich ist, oder in moderner Technologie bzw. allem was uns in eine technisierte, der Natur entrückte Welt bringt.

    Diese Sorgen sind jedoch in der Menschheitsgeschichte nichts Neues und den Umgang damit empfinde ich ebenso wenig als abgeschlossen wie unspannend. Mein eigener Kernansatz ist es eigentlich in vielen Dingen erst die Frage zu stellen, was der eigene Sinn des Lebens ist und zu versuchen darauf basierend eine Antwort zu formulieren. Doch das setzt natürlich voraus, dass man eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gefunden hat. Dennoch will ich das Szenario einmal anhand meiner eigenen Antworten sezieren.

    Subjektive Meinung/Beispiel an

    Auch mich drückt die Realität an ein paar Stellen: Da wäre für mich das Verhältnis von Menschen zu Raum auf dieser Erde. Ich hätte gerne viel mehr Platz und würde denken, dass – sagen wir 100 Millionen Menschen für den Erdball genug sind und wir schon vor Jahren viel zu viele waren. Ebenso störe ich mich daran wie wir die Erde ausbeuten und dabei eine wunderbare und schöne Umgebung zerstören, die uns doch Heim sein sollte. Es ärgert mich zu sehen wie die Menschen in den reichen Ländern immer fauler und unfähiger werden, und ich glaube wir leiden an geistiger Verwirrung, weil wir den Kontakt zu unseren Emotionen verloren haben und nur noch glauben, was jemand erforscht hat, das dann aber nicht mehr anfechten und für gottgegeben ansehen.

    Zwar kann ich mich als Individuum zu all diesen Themen äußern und könnte nun entweder in einen leidenschaftlichen Kampf verfallen, um für möglichst viele der von mir wahrgenommenen Probleme eine Lösung zu finden, doch was würde ich erreichen? Zunächst einmal rechne ich mir keine allzu großen Chancen aus wirklich viel zu verändern, und selbst wenn ich etwas verändere heißt das noch nicht, dass ich mit dem was aus meinen Aktionen folgen würde, zwangsläufig glücklicher wäre. Es könnten auch schlimme Dinge aus meinen Ideen erwachsen und selbst wenn nicht, vermute ich, dass ich ganz persönlich nicht glücklicher wäre auf eine Geschichte des Kampfes zurückzublicken und festzustellen wie viel noch offen bleibt oder sich an Problemen neu ergeben hat. Gerne hätte ich die Welt so vorgefunden wie ich es mir erträume, aber die Welt durch einen lebenslangen Kampf umzuformen nur um dann rückblickend festzustellen, dass ich keine Zeit zum genießen hatte und möglicherweise selbst zwar eine Welt geschaffen habe die mir gefällt aber welche die Wünsche einer neuen Generation von Wesen ignoriert wäre kein guter Ausblick.

    Um ein Vorgehen zum Umgang mit meinem Unmut mit der Realität zu finden würde ich also meine Antwort auf den Sinn des Lebens konsultieren und die ist sehr extrem abgekürzt “Glücklichsein und Glück mehren” als Selbstzweck, da ich zu dem Schluss gelangt bin, dass nichts von Dauer ist und man ein gutes Gefühl nicht über Umwege, sondern direkt mit diesem Ziel erreichen kann und sich so nicht in letztendlich bedeutungslosen Details verliert.

    Das Ergebnis ist für mich also, so gut es geht nach meinen Idealen zu leben und diese auch vorzuleben, aber nicht aktiv zu missionieren. Ich teile gerne was ich glaube, aber ich möchte nicht Menschen von etwas überzeugen die nicht überzeugt werden wollen. Auf diesen Kampf habe ich schlichtweg keine Lust und ich sehe diesen Kampf auch nicht als gerechtfertigt an, denn ich bin auch nur ein Mensch der glaubt recht zu haben, so wie wir alle hier. Ansonsten genieße ich lieber was ich selbst erreiche und was ich mit anderen lieben Wesen teilen kann, die mir in diesem Leben begegnen. Wenn sich die Welt durch mich verändert wie ich es möchte, freue ich mich, wenn sie es nicht tut, dann genieße ich was ich trotzdem daran hatte und gehe ohne Schuld aus dieser Realität, weil ich meinen Intensionen treu geblieben bin.

    Subjektive Meinung/Beispiel aus

    Ein Großteil meiner Argumentation ist bereits in meinem Beispiel enthalten. Doch wenn ihr noch nicht wisst was für euch der Sinn des Lebens ist, dann hinterfragt erstmal warum euch die Welt drückt wie sie ist, und ob ihr wirklich überzeugt seid für alle die euch etwas bedeuten eine bessere Realität zu kennen. Falls ja, seid ihr bereit dafür zu kämpfen? Würde der Kampf euch zufrieden zurücklassen, oder voller Gram über seine Intensität oder eine mögliche Niederlage? Wie möchtet ihr auf euch zurückblicken? Wie wollt ihr im Leben von anderen gesehen werden? Und ganz einfach, gibt es einen kleinen Weg wie ihr eure Wunschrealität näher an euch holen könnt, ohne die ganze Realität aus den Fugen zu heben?

    Wollt ihr am Hofe leben – gibt es vielleicht etwas, von Theater bis hin zu historischen Gruppen, die euch ein wenig von dem Gefühl geben können. Wollt ihr unabhängig von der Gesellschaft werden, arbeitet für euch in diese Richtung, vielleicht findet ihr ja auf der Reise Menschen, die auf demselben Kurs segeln. Genießt die kleinen Dinge und leidet nicht an den Großen, denn wie Seneca schon gesagt hat.

    “Wer leidet bevor es nötig ist, leidet mehr als nötig gewesen wäre”
    Frei nach Seneca ins Deutsche übersetzt

  • Die unverbrüchliche Tugend des Lotus

    Wer sich zu Gedichten und Sinnbildern zur Lotuspflanze umsieht, findet sehr oft das Muster des Triumphs der Tugend. Es wird beschrieben, wie der Lotus in den dreckigsten Gewässern und Tümpeln wächst, deutlich gesagt sich aus dem stinkigsten Schlamm hervorhebt, um die Wasseroberfläche zu erreichen und nicht nur saubere Blätter zu bilden sondern die filigransten und zart duftendsten Blüten zu treiben.

    Man sollte meinen ein Lebewesen welches in einer, aus unserer Sicht, so unschönen Umgebung geboren wird, könnte daran verbittern und eingehen oder darüber erbost sein und vielleicht ebenso unansehnlich wie der vielleicht stinkende Pfuhl um sich werden, doch der Lotus nimmt seinen Geburtsort nicht nur an, sondern gedeiht darin.

    Symbolisch auf den Menschen übertragen landen wir alle wahllos in dieser Welt und werden unter Umständen nicht in den besten Orten oder unter den besten Umständen dieser Welt geboren. Doch was wir mit dem machen was uns gegeben ist, das bleibt uns überlassen. Der Lotus kann uns Vorbild sein anzunehmen was ist und nicht an unserer Umgebung zu kranken, sondern trotzdem die beste Version unsererselbst zu werden.